Mittwoch, 6. Juli 2016

Ein perfekter Tag



Wirklich perfekte Tage sind etwas verdammt Seltenes! Doch ein paarmal im Jahr hat man einfach Glück und erlebt einen solchen. So auch an diesem Wochenende. Der Blick in den Kalender zeigt, dass nichts Außergewöhnliches geplant ist, der aus dem Fenster zeigt strahlenden Sonnenschein über dampfenden Wiesen. Es hatte die letzten zwei Wochen fast nur Geregnet, jetzt schien die Natur sich regelrecht trocken zu schütteln.

Bei solchem Wetter gibt es kein Halten, raus aus der Bude und rauf auf den Bock! Die alte Lederjacke hängt noch leicht feucht vom vorangehenden Arbeitstag an ihrem Hacken, der Helm vermodert langsam und muss dringend gelüftet werden. Nur Minuten später sitze ich in der Garage auf dem Roller, der Anlasser heult kurz und es geht raus auf die Straße.

Die leicht zuckende Nadel der Benzinuhr zeigt an, dass der Tank voll ist, der Drehzahlmesser dümpelt noch in niedrigen Gefilden, auch seine Nadel zuckt leicht, als würde er darauf warten das der Motor endlich warm geworden ist und die rechte Hand des Fahrers den Hahn aufzieht, der Vergaser tief durchatmet und der Auspuff zum Angriff bläst.

Es geht hinaus auf die Landstraße, erst ein Stück schnurgerade Betonpiste, dann der Abzweig auf eine wohlbekannte und doch immer neue Nebenstrecke. In langen Bögen schlängelt sich die Gemeindestraße durch den Wald, es geht leicht bergauf. Unter der rechten Seitenhaube summt der Motor und der Wind pfeift an der Karosserie leise sein Lied.

Am Himmel steigt die Sonne langsam dem höchsten Punkt entgegen, die Landschaft hat sich in der Zwischenzeit verändert. Statt dunkler Wälder säumen jetzt saftig grüne Wiesen die Straße, es ist langsam an der Zeit für eine Pause, für Mensch und Maschine. Am Horizont zeichnet sich langsam eine Ortschaft ab, ein kleiner Flecken, vielleicht fünfhundert Einwohner. Aber es gibt dort eine Tankstelle und ein Wirtshaus. Ich steuere zuerst die Zapfsäule an, dann geht es weiter zum Gasthaus. Während ich die Pause bei gutem Essen genieße kühlt der Roller, leise knisternd unter einem Baum abgestellt, ab. Doch es geht bald weiter, wieder bergauf, immer steiler und immer höher bis zur Passhöhe. Dort noch mal Pause und dann zurück ins Tal.

Der Blick vom Hochpunkt der Straße reicht weit ins Land. Wie klein die Menschen und alle Menschengebilde doch sind. Winzig, wie Spielzeug, das von einem gelangweilten Riesenkind über den grünen Teppich der Landschaft verstreut wurde. Lächerlich für wie groß sich so mancher dieser Winzlinge dort unten hält. Die Berge rücken den Blick gerade, zurück in den richtigen Blickwinkel.

Die Straße besteht nur aus Kurven, Serpentine folgt Serpentine. Wie eine riesige Achterbahn windet sich das Asphaltband in Richtung Talsohle. Langsam werden die Bäume am Straßenrand größer, grünlich graue Bergvegetation weicht saftigen Wiesen. Es geht zurück auf die Hauptstraße, geradeaus, kilometerfressen und den Tag im Geiste noch einmal passieren lassen. Langsam wird es dunkel, am frühen Abend erfasst der Lichtkegel des Scheinwerfers das heimische Garagentor.

Die Geräusche von Wind und Motor klingen mir noch einige Zeit in den Ohren nach, Helm und Jacke sind gut gelüftet und wieder an ihrem Platz. Hoffentlich ist bald wieder ein perfekter Tag!


Text und Bild: Markus Zinnecker, 2016

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