Donnerstag, 16. Juni 2016

die Straße

Es gibt eine Straße, auf der wir alle unterwegs sind. Manchmal begegnen wir Anderen, die nur an uns vorüberziehen oder an denen wir vorüberziehen. Manchmal begegnen wie Anderen, die uns ein Stück des Weges begleiten, oft nur für keine kurze Weile, seltener für eine lange Zeit, ganz Wenige gar bis in die Ewigkeit. 

Es gibt eine Straße, auf der wir alle dahinrasen. Getrieben von Anderen, aber vor allem von uns selbst. Zu immer höherer Geschwindigkeit, zu immer größerer Ausdauer. Bis wir irgendwann zerschellen, als zerschlagenes Wrack am Wegesrand liegenbleiben. 

Es gibt eine Straße, die sich wunderbar windet. Durch weite Länder, voll Liebe und Schönheit. Doch wir sehen all diese Wunder nicht, denn wir kennen nur ein nebelumwobenes Ziel, irgendwo in weiter Ferne. In unserem rasenden Wahn erkennen wir nur verzerrte Bilder von Hass und Grausamkeit.

Es gibt eine Straße, an deren Rand wir sitzen, den Anderen beim Rasen zusehen und uns wundern, dass wir einstmals waren wie sie. Das wir uns treiben ließen, von wertlosen Gedanken, von der Suche nach dem Unfindbaren. 

Es gibt eine Straße, auf der gleiten wir ruhig dahin. Dem Ende unserer Reise entgegen, gewiss, dass in diesem Ende ein neuer Anfang liegen wird. Dass am Ende der Straße all jene auf uns warten, die sie vor uns entlangreisten, entlanghasteten, entlangwanderten. 

Es gibt eine Straße, die heißt Leben.



Text und Bild: Markus Zinnecker, 2016

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